ABC Fahrtensegeln

August 2014: Törn - Ostsee Großenbrode nach Glücksburg

Im Tiefflug von Großenbrode durch das dänische Inselmeer nach Glücksburg mit  Dehler 34 „Svea“ von Christian

Während unsere ABC-Clubjugend auf Föhr um Ruhm und Ehre kämpfte, was mit deutschen Jugendmeister Titeln belohnt wurde, machten wir, Christian, Calli und Jogi, uns auf den Weg, die Ostsee bei stürmischen Winden zu durchpflügen.


...auch ein Uwe kann sich irren...
Nach einer langen Anfahrt und der obligatorischen Currywurst mit Plöp in Uwe`s legendärer Hafenkneipe legten wir am Samstag früh ab. Übrigens; O-Ton Uwe: „..hej, die nächsten Tage ham se Sturm gemeldet , dann sehen wir Euch ja morgen wieder hier in der Kneipe..“   ...auch ein Uwe irrt sich mal!

Der Wetterbericht von DP07 hatte so zwischen 6 Bft und 8 Bft  aus N-NE angesagt, also genau das Richtige für uns, wollten wir doch nach NNW. Schon in der Hafenausfahrt zeigte sich, dass auf DP 07 Verlass ist. Mit hoher Welle und viel Wind  in der extrem engen Ausfahrt genossen wir den steigenden Adrenalinspiegel. Dann nichts wie Segel hoch, Maschine aus und mit Volldampf hoch am Wind Richtung Fehmarnsundbrücke und dann Kurs NNW nach Aerø. Die ersten 35 sm machten wir in rasanter Fahrt und schon bald surften wir unter Arbeitsfock und 2 Reffs mit bis zu 9,5 kn an der Küste vorbei.

Alles im Griff!


Aus den 8 Bft wurden jetzt 9 Bft und mehr und eine imposante tiefschwarze Gewitterwalze fegte auf uns zu, Großsegel in Rekordzeit runter, Fock 1/3 eingerefft und Sicht NULL, Böen bis 48 kn. Der Wind drehte auf West und auf der Rückseite der Front blies er uns dann konstant mit 9 Bft ins Gesicht, sodass wir beschlossen, nach Marstal abzulaufen, um nicht noch fünf Stunden an der Legerwallküste von Aerø bei einer See von 2-3 m kreuzen zu müssen ...außer uns waren kaum Segler on tour, warum wohl...? 


Nach äußerst erlebnisreichen 48 sm legten wir in Marstal an und genehmigten uns erst mal ein Plöp. Mit viel Spaß machten wir uns in der Pantry ans Werk, um die verbrauchten Kalorien aufzufüllen. Mit Plöp, Nudeln im Bauch, Takelwerkzeug und glühendem Marlspieker konnte auch der „ersegelte“ Riss im Großsegel von Jogi genäht werden (... hat den ganzen restlichen Sommertörn 2014 einwandfrei gehalten !)

Was für ein Supertag !


...von Schleppern und alpinen Seglern...
Am nächsten Tag, auch mit 6 bis 8 Bft, ging es durch das Mørkedyp Richtung Fåborg südlich von Fyn. Ja, das Mørkedyp ist schon eine spannende Sache. Eine schmale Durchfahrt durch eine Meerenge etwa 3 sm lang aber nur ca. 20 m breit. Richtig, nur 20 m Fahrrinne, aber dafür gefühlte 50 Halsen, kein Problem, außer uns war ja sowieso keiner auf dem Wasser. Dann eine Kursänderung nach NW an Ærøskøbing vorbei high speed weiter nach Fåborg mit der etwas verzwickten Ansteuerung. 
Muschelbewuchs am Unterwasserschiff war spätestens jetzt ab!

In Fåborg  eingelaufen, legten wir einen beeindruckenden, viel bestaunten Anleger auf engstem Raum hin, sodass wir sicher mit der Nase im Wind mit Blick auf einen imposanten Hochseeschlepper lagen. Eine gute Entscheidung, alle anderen Schiffe im Hafen haben sich die Fender wundgescheuert...


Noch vor der Nacht verholten wir ca. 15 m nach hinten, denn die oberschenkeldicken Springs des Schleppers kamen uns doch sehr lose vor und am nächsten Morgen stellten wir fest, dass der Schlepper-Riese sich wirklich mächtig in unsere Richtung bewegt hatte.

Alles richtig gemacht!

 

Da der Wind weiterhin mit Sturmstärke blies und auch noch weiter zunehmen sollte, beschlossen wir, an diesem Tag einen Hafentag einzulegen, Fåborg zu erkunden und uns in der legendären Fischräucherei „angemessen“ zu versorgen.

 

Allerdings fehlte im Hafen ca. 1m Wasser, sodass wir unser Schiff nur kletternder Weise  verlassen oder betreten konnten. Aber mit zwei Skilehrern an Bord konnte auch dieser nautisch-alpine Mehrkampf problemlos gemeistert werden.

Den Abend verbrachten wir beim Captains- Dinner mit Räucherfisch, Räuchercrevetten , Salat  und Callis Knobikartoffeln vom Feinsten.  Mhhhhm!!!

Nach dem obligatorischen  Check der Wetterberichte von DP 07 und Abgleich mit „dem Dänen“ beschlossen wir, am nächsten Morgen um 06:00 aufzustehen und früh Richtung Dyvik aufzubrechen. Die erste Stunde war allerdings sehr regnerisch und wir fragten uns schon hin und wieder, was wir hier eigentlich machen. Dann kam allerdings die Sonne raus und wir segelten wieder mit 6 – 8 Bft aus W Richtung Dyvik. Kurz vor der Einfahrt kam mal wieder eine weiße Wand ...Sicht  mal wieder NULL und wir fuhren sicherheitshalber zurück ins freie Wasser, bis die Walze durch war. Dann in die Dyvik rein. Sehr beeindruckend, denn die Einfahrt ist nur ca. 5 m breit auf einer Länge von 200 m. Hier kann man wirklich bei der Durchfahrt Blumen pflücken oder Kühe streicheln, je nach Interessenlage... Aber dann öffnete sich eine herrliche Bucht mit idyllischem Hafen. Wow!!

 

Perfektes timing: kurz nach dem Anlegen zog ein Gewitter durch, das uns ein super Naturschauspiel mit Regenbogen und allem was dazu gehört bot.

Wieder ein perfekter Tag!



...was Kreuzen mit Jogis verzwickten Lage zu tun hat...

Nächster Tag und, wer hätte das gedacht: wieder Sturm. Also Segel hoch, Reffs rein und den Alssund nach Süden Richtung Sønderborg.  In beeindruckender Regattamanier kreuzten wir den Alssund runter und das Schiff zeigte, dass es wirklich schnell segelt. Alle anderen Schiffe hatten keine Chance mitzuhalten und die Kreuz war wirklich der Oberhammer. Dank perfekter Navigation von Christian fuhren wir die Wenden immer auf Echolot, was einen solchen Spaß machte, dass Jogi den seit Stunden fälligen Toilettengang vergaß. Am Ende der Kreuz, quasi auf unserer persönlichen Ziellinie unter der Sønderborger Brücke ging aber nichts mehr und fluchtartig musste Jogi das Steuerrad übergeben um blitzschnell aus dem Ölzeug zu springen.

Ausnahmegenehmigung für Stehpinkeln auf der Bordtoilette formlos erteilt ...

Alles gut gegangen!

 

Alle Yachten sammelten sich dann nach und nach wieder vor der Klappbrücke und auf das Brückenkommando ging es wie ein Run durch die Brücke Richtung Yachthafen. Dort fest, wurden wir Zeuge der legendären Mittwochsabend Regatta mit ca. 50 Booten aller Größen am Start. Da kann man schon ahnen, warum die Dänen so gut segeln.

 

Auch in Sønderborg versorgten wir uns wieder mit Fisch und anderen Leckereien und begossen den schönen Tag mit Wein.

Calli erstand seinen knallroten Südwester, zwar spät, aber keineswegs zu spät, wie sich am folgenden Tag zeigen sollte.

 

Optiblockade

Schade, schon Donnerstag, und wir wieder los in die Flensburger Förde Richtung Glücksburg. Naja, wiedermal 6 -8 Bft , aber mittlerweile bei uns schon Routine, und so ging es zur finalen Kreuz in die Flensburger Förde. Auch hier kam keiner mit, da wir frühzeitig gerefft hatten und das Schiff deshalb mit moderater Lage auf V MAX segelte. Aber was dann? Am Horizont war die ganze Förde weiß und wir glaubten : jau , wieder eine Gewitterwalze....  Als wir dann näher kamen, erwies sich das als falscher Alarm. Walze ja, aber kein Gewitter, sondern ca. 300 Optis, die ihre IDJM segelten. Wir also nach Glücksburg rein bevor die Optis den Hafen blockierten. Ist schon Klasse, so 300 Optis beieinander.

 

Meister- Plöp und  Bettlaken...

Am Abend  telefonierten wir mit den Föhrern und erfuhren von Nils Meistertitel. Also Pläne beim „ Meister -Plöp“ geschmiedet und anderntags flugs bei der Yachtschule ein halbes Betttuch erbettelt, was Jogi kunstvoll „ bedruckte“  und wir am nächsten Tag  quer über dem Schiff aufspannten.

 

..nach dem Törn ist vor dem Törn..

Leider war es dann schon vorbei mit unserem Törn. Es war jedenfalls ein „supergeiler Törn“ und unser Dank geht an Christian, der uns auf seinem Boot ertragen musste ( „selbstgewähltes Schicksal“,  O-Ton Skipper.). Am Morgen trafen wir uns in der Nähe von Glücksburg mit den Föhrern und fuhren gemeinsam nach Aachen zurück.Christian und Nils segelten das Schiff dann mit genauso viel Wind wieder zurück nach Großenbrode. Ging alles glatt.

Was für ne geile unvergeßliche Woche!

Anmerk d.Red.(..die Planungen für die kommende Saison laufen schon...)

 

Calli, Christian, Jogi

2012 Kroation erleben: Der ABC unterwegs


Cote d’Azur oder Je ne regrette rien. (ich bereue nichts)

Angefangen hatte es im letzten Sommer: nachdem der Törn am Ijsselmeer nur kalt und nass und usselig war, sehnte meine Familie sich nach Sonne und Wärme; und ich sehnte mich auch danach. Also durchstöberte ich die Buchhandlung und fand einen Revierführer von Südfrankreich, den ich im Herbst von vorne nach hinten und zurück durchschmökerte. Die Vorstellung eines Törns im Mittelmeer faszinierte uns. Zunächst standen die Formalitäten im Vordergrund: Für Frankreich benötigt man als Bootspapiere das Flaggenzertifikat und eine Versicherungsbescheinigung. Was man für die Beantragung braucht, erfährt man unter www.segel.de im Sachregister. Die Versicherungsbescheinigung gibt es von der Versicherung. Die nächste Überlegung war, wo kann ich kranen und Auto und Hänger sicher unterstellen. Nach einigen Telefonaten, die ein Freund mit guten Französischkenntnissen für mich erledigte viel unsere Wahl auf den Hafen Port de la Rague in der Nähe von Cannes. Als weitere Vorbereitungen schafften wir noch ein Schlauchboot als Dinghi an und überlegten die Möglichkeiten der Anreise. Um dies für die ganze Familie möglichst stressfrei zu gestalten entschieden wir uns dafür, getrennt anzureisen: ich über zwei Tage mit Auto und Schiff, Marlies und die Kinder am 2. Tag mit dem TGV hinterher. Die Fahrt war auf diese Weise für alle sehr gut zu bewältigen. Das Fahren mit Trailer über die französischen Autobahnen ging sehr gut, sie sind überwiegen dreispurig und staufrei. Nach 16 Std Fahrzeit(incl. Pausen, zzgl Übernachtung)kam ich Sonntag Nachmittag in Port de la Rague an. Da die Werft natürlich geschlossen hatte, parkte ich Auto und Schiff vor der Werft und holte abends meine Familie vom Bahnhof ab. Übernachtet wurde im Schiff auf dem Trockenen, am nächsten Morgen kranten wir und liefen mittags aus. Zunächst ging es mit Spikurs bei 2-4BFT nach Westen in Richtung St.Maxime. Nächte in Häfen und Nächte in Buchten vor Anker wechselten sich ab. Im Golfe von St Tropez werden Boote unserer Größe durch den Wellenschlag der allgegenwärtigen Motorboote unangenehm durchgeschüttelt, segeln empfiehlt sich hier nur am frühen Morgen. St Maxime mit seinen kleinen Gassen und Plätzen in denen Abends das Leben pulsiert gefiel uns sehr gut, aber die Stille in den Ankerbuchten, wenn nach 1700h die Ausflügler zu ihren Häfen zurückkehren, das Versinken der Sonne im Meer, das Wiegen des Bootes vor Anker war nicht zu überbieten. Nach einer herrlichen Nacht in der Baie de Pampelonne segelten wir mit 6 BFT in östlicher Richtung nach St Raphael, wo wir 2 Tage einwehten, es fegte mit 8 BFT übers Mittelmeer, da zog es uns nicht nach draußen! Wir nutzten die Zeit für einen Ausflug mit dem Bus nach St Tropez – muß man doch gesehen haben. Das Städchen ist auch schön, wird aber von den Touristen einfach plattgewalzt und revanchiert sich mit unverschämten Preisen.

 

Am Tag danach segelten wir zur Rade d’Agay, einem sehr schönen Ankerplatz. Von hier aus wollten wir in der Nacht starten und in den Sonnenaufgang segeln. Es wurde das schönste Erlebnis auf unserer Tour, beeindruckend durch den Frieden und die Ruhe auf See. Im krassen Gegensatz dazu stand das Ziel dieser Tagesetappe: St Juan – verbaut, voll, hektisch, laut, diesen Hafen sollte man meiden. Von hier aus zog es uns nach Antibes: riesiger Hafen mit dürftigen sanitären Einrichtungen aber dafür eine herrliche Altstadt mit verwinkelten Gassen und in einem kleinen Restaurant eine vorzügliche Ente a l’orange... himmlisch! Von dort aus ging es bei leichten Winden zurück in Richtung Heimathafen, den wir mit einiger Zeitreserve erreichten (hatten wir zu vorsichtig geplant?) Also noch 2 Badetage in der näheren Umgebung bevor der Zug meine Familie wieder in die Heimat brachte. Ich segelte als „lonesome rider“ noch nach Nizza und zur Rade Villefranche, unternahm noch eine Bustour nach Eze, auch sehr sehenswert (am besten morgens früh bevor die Touris kommen!) bevor es nach Port de la Rague zurück ging, auskranen verladen und Heimfahrt nach Aachen, wieder mit einer Übernachtung.

 

Ich hatte diesen Törn mit drei Vorurteilen angetreten:

 

1. Kein Wind im Sommer – stimmt nicht: Zumindest für unsere Bootsgröße war in der Regel genug Wind da.

 

2. Alle Häfen überfüllt – stimmt für unsere Bootsgröße auch nicht: Meistens fand der Hafenmeister für uns noch ein kleines Eckchen

 

3. Alles überteuert - Zwar teurer als in Holland aber nicht abschreckend: Die Hafengebühren liegen zwischen DM 20 – 40.- (für unsere Größe, wir gehörten immer zur kleinsten Kategorie), Restaurantbesuch mit 2Erwachsenen, 2 Kindern ca DM 130.-

 

Wer hier mit einem Boot in unserer Größe Urlaub macht, sollte allerdings nicht zu empfindlich auf die oftmals beklagenswerten sanitären Einrichtungen reagieren: Oftmals ersetzt ein Bad im Meer oder ein Abspritzen mit dem Wasserschlauch an der Pier die nicht vorhandene Dusche!

 

Wenn alles klappt, machen wir das nächstes Jahr noch mal – Je ne regrette rien.

 

Bericht: W. H.